Podcast: Urs Prantl und Claudio Pietra zum Thema Strategie
Urs Prantl hat mich in seinem Podcast «Prantls 5A | Strategie Spotlight auf einzigartige IT-Unternehmen» eingeladen. Erfahren Sie spannende Hintergründe zur Geschichte von Vertec, was die aktuellen Herausforderungen sind und mit welcher Strategie Vertec zukünftig wachsen will.
Zu hören auf Spotify oder unter Prantls 5A Podcast.

Wer erst einmal die Essenz will, findet sie hier in fünf Learnings.
1. Standardsoftware und Anpassbarkeit schliessen sich nicht aus
Vertec ist von Anfang an als Standardsoftware entstanden, weil sich Individuallösungen für jeden Kunden schlicht nicht skalieren liessen. Trotzdem sollten Kunden ihre Software an ihre eigenen Prozesse anpassen können, statt sich der Software anzupassen. Die Lösung: ein Schalenmodell aus Kernsoftware (Core), branchenspezifischen Plugins und darüber hinausgehendem individuellem Customizing. Ein Anwalt kann so beispielsweise eine Archivverwaltung direkt in seinem Mandatssystem abbilden, ein Ingenieurbüro eine automatische Referenzliste mit Projektfotos generieren – beides auf derselben Codebasis, die auch der grösste Kunde mit rund 2'000 Anwendern nutzt.
2. Wachstum darf die Software nicht überfordern
Ein zentraler Anspruch bei Vertec: Software soll mit dem Kunden mitwachsen können. Wir haben Kunden, die um den Faktor vier oder fünf gewachsen sind, teils international expandiert sind. Vertec hat diese Entwicklung mitgetragen, ohne dass ein Systemwechsel nötig wurde. Wer sein ERP zu eng auf den heutigen Prozess zuschneidet, riskiert dies in ein bis zwei Jahren schon wieder abzulösen, weil sich die Anforderungen weiterentwickelt haben, die Software aber nicht.
3. Weniger Beratungstage sind bewusste Strategie, kein Zufall
Viele Softwareanbieter leben gut von hohem Customizing-Aufwand nach der Einführung. Vertec verfolgt bewusst den gegenteiligen Weg: Standardisierte, dokumentierte Zusatzfunktionen sollen 80 bis 90 Prozent der branchentypischen Bedürfnisse abdecken, bevor überhaupt individuell angepasst wird. Die Gründe dafür sind vielfältig: höhere Marge bei Softwarelizenzen statt Beratungstagen, ein besseres Preisgefühl beim Kunden, und schlicht die begrenzte Verfügbarkeit erfahrener Projektleiter. Das Zielverhältnis von Lizenz- zu Dienstleistungsumsatz liegt bei Vertec bei 60 zu 40 – auch wenn sich dieses Verhältnis über die letzten zehn Jahre in Richtung Dienstleistung verschoben hat.
4. Die Schweiz und Deutschland ticken beim Software-Vertrauen unterschiedlich
Ein Learning, das viele Schweizer Softwarehäuser mit Expansionsplänen kennen dürften: In der Schweiz haben Kunden meist bereits Erfahrung mit ERP-Wechseln und wissen, dass zu enges Customizing langfristig zum Problem wird. In Deutschland dagegen begegnet Vertec häufig Kunden, die zum ersten Mal ein ERP einführen, jedes Detail exakt vorgegeben haben wollen und Angst vor scheiternden IT-Projekten mitbringen. Diese unterschiedliche Ausgangslage hat den Ausbau der Zusatzfunktionen-Standardisierung bei Vertec mitgeprägt und war einer der Gründe für das starke Wachstum des Cloud Abos in Deutschland, wo viele Kunden aus der Zielbranche gar kein eigenes Büro und keine eigene Serverinfrastruktur mehr betreiben.
5. Der grösste Engpass für 2023 ist nicht das Produkt, sondern die Kapazität für strategische Projekte
Der grösste Wachstumshemmer ist nicht fehlende Nachfrage oder technische Grenzen, sondern die begrenzte Zahl an Leuten, die sich neben dem Tagesgeschäft Zeit für strategische Initiativen nehmen. Für 2023 stehen bei Vertec zwei Projekte im Zentrum: ein neues Onboarding, das Neukunden und neuen Usern den Einstieg erleichtern soll, und die Internationalisierung der Software inklusive englischsprachigem Customizing als Grundlage für Geschäft ausserhalb des deutschsprachigen Raums.





