Unternehmensberatung 4.0: Karl Friedl (M.O.O.CON) im Interview

An einem verregneten Oktobermorgen haben sich Georg Alscher, Geschäftsführer der Vertec GmbH in Wien und Karl Friedl, M.O.O.CON-Geschäftsführer zu einem gemütlichen Branchengespräch bei Kaffee und Wiener Süßgebäck getroffen. M.O.O.CON zählt zu den führenden Unternehmensberatungen für identitätsstiftende und nachhaltige Gebäude, Prozesse und Arbeitswelten. Ein Gespräch über die Unternehmensberatung 4.0, die größten wirtschaftlichen Herausforderung im Consulting sowie Branchenführer.

Georg Alscher: Guten Morgen Herr Friedl, herzlichen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben. Wir würden gerne wissen wie es den Unternehmensberatern in Österreich geht, ein bisschen Puls abnehmen. Und da stellt sich für uns die erste große Frage: An wem orientieren Sie sich in Ihrer Branche? Wer ist Ihr Leuchtturm-Unternehmen wo Sie sagen "Hey, wenn ich wissen will, was am Markt passiert, da schaue ich als Unternehmensberater hin!". Wer wäre das?

Karl Friedl: Wir sind ja ein ganz spezifisches Unternehmensberatungsbüro und wir glauben, dass wir in unserem Segment Marktführer im deutschsprachigen Raum sind. Und deshalb haben wir jetzt in unserem Segment niemand wo wir spezifisch hinsehen. Sondern wir tun etwas, was nicht dem Standard entspricht. Wir arbeiten in einer Nische.
Wir sind zur Hälfte Organisationsberatung und zur anderen Hälfte Bauingenieure und kümmern uns um wirksame Infrastruktur, indem wir Unternehmen zukunftsorientiert tiefgreifend verstehen, um sie dann entsprechend begleiten zu können. Dass Projekte richtig gebrieft werden, man die richtigen Partner findet, die richtigen Umsetzer findet, die richtigen Betriebskonzepte findet. Und jetzt kann man nur sagen. Das, was wir tun, sind mindestens im Vergleich vier, fünf Unternehmen. Es geht letztlich darum, die Perspektiven der Digitalisierung in dieser Branche ernst zu nehmen. Da gibt es natürlich Unternehmen, die schon weiter sind, auf die man schaut. Aber letztlich dieses Gesamtkonzept, wie wir es für uns in Anspruch nehmen, von der Funktionsplanung über Architektur und Bauingenieurwesen, Change Management und Facility Management eine integrierte Kompetenz zu haben. Da haben wir eigentlich keine vergleichbaren Mitbewerber, auf die wir schauen könnten.

Georg Alscher: Wenn ich Sie jetzt richtig verstanden habe, sind Sie der Leuchtturm für andere?

Karl Friedl: Wahrscheinlich ja.

Georg Alscher: Was sind Ihre zwei größten Herausforderungen als Unternehmensberater in wirtschaftlicher Hinsicht?

Karl Friedl: Ein Unternehmensberater verkauft nur Leistungen von Menschen, das heißt, in wirtschaftlicher Hinsicht gibt es zwei Herausforderungen. Erstens die Marktdurchdringung, in der Marktwahrnehmung, um die Akquiseleistung auf den Boden zu bringen. Es geht um das Bewusstsein in den Märkten, das unsere Leistung Nutzen stiftet und Antworten auf Fragen gibt, die diese Unternehmen haben. Die erste Herausforderung ist somit das Hereinschaufeln von Projekten.
Die zweite Herausforderung liegt darin, die richtigen Menschen zu haben. Das ist der Grund, warum wir den Personalmarkt genauso bearbeiten wie den Absatzmarkt. Menschen finden, binden und ausbilden ist die Grundvoraussetzung, um auch entsprechend verkaufen zu können. Um wachsen zu können müssen wir Menschen finden und begeistern. Dass sie Teil dieser Idee sind, dass sie entsprechend Erfahrungen austauschen. Dabei machen wir sehr viel dafür, sowohl digital als auch analog, also gemeinsames unternehmensbezogenes Lernen. Es geht darum, letztlich die Grundlagen für wirtschaftlichen Erfolg zu schaffen, und das ist im Prinzip Marktdurchdringung und Menschen.

Georg Alscher: Es gibt dieses neue Schlagwort, den "Unternehmensberater 4.0" Was würden Sie sich darunter vorstellen?

Karl Friedl: Ich kann nur sagen, wo unsere Vision 4.0 ist. Ein guter Unternehmensberater hat Menschen, die auch alleine erfolgreich sein können. Jeder dieser Menschen ist für sich erfolgreich. Er kann sich selbst verkaufen. Er ist selbstständig und mit entsprechenden Basiskompetenzen ausgestattet. Er ist in Netzwerken unterwegs. Er ist Mitunternehmer. In einer Unternehmensberatung brauchen wir Mitunternehmer, sonst funktioniert es nicht. Wenn wir einem Mitarbeiter entlang vorgedachten Strukturen sagen müssen, was er beim Kunden draußen zu tun hat, werden wir nicht erfolgreich sein. Er muss ein Basiswissen mitbringen und muss auf die Wünsche des Kunden eingehen, er muss Vertrauen aufbauen und dann gemeinsam mit dem Kunden als Mitarbeiter und Kompetenzträger auf Zeit agieren. Er ist sehr selbstständig. Die Leute draußen sind für die Zufriedenheit des Kunden und für den Erfolg des Unternehmens verantwortlich, völlig eigenverantwortlich.
Die Kunst ist jetzt, diesen Menschen das Gefühl zu geben, dass sie, obwohl sie alleine erfolgreich sein könnten, in einer großen Struktur noch erfolgreicher sind. Weil bestimmte Dinge gemeinsam gemacht werden. Wir sind eine Kreisorganisation, die die zwei Dinge gemeinsam macht, nämlich Leistungsinnovation und Supportprozesse. Da gibt es vier Supportprozesse, welche die Leiter der einzelnen UiUs (Unternehmen im Unternehmen) gemeinsam kultivieren.
Das ist erstens Controlling, also Transparenz in der Frage: Wo stehen wir kaufmännisch und in den Ressourcen? Zweitens Marketing und Kommunikation. Eine Homepage, ein Blog, eine Organisation von Veranstaltungsformaten. Es ist gut, wenn man Internetdienstleister hat. Drittens Personal. Also alles von der Ansprache des Marktes im Personal in der Form von Personalakquise über Personalentwicklungsmaßnahmen bis hin zur Personalverwaltung. Und Punkt vier ist die IT-Infrastruktur. Ich will mich nicht darum kümmern, dass mein Rechner funktioniert und dass ich eine Cloud habe, die funktioniert, und, und, und.
Das sind so die Basics, auf die die Fachdisziplin aufsetzt. Ich will serviciert sein und das ist eigentlich der Vorteil, den diese Leute haben. Und darum sind sie da. Ein Unternehmen 4.0 muss es so kultivieren, dass diese Leute nicht das Gefühl haben, dass es sie in irgendeiner Art eingeschränkt, in dem, was sie tun, sondern sie sind super avisiert und sind Teil eines Ganzen, was ihnen letztendlich einen Mehrwert im Markt bringt.
Wenn sie alleine in den Markt rausgehen und sagen "Ich bin der Franz Müller und ich kann das", dann werden Sie weniger Erfolg haben als wenn Sie sagen "Ich bin der Franz Müller, Partner bei M.O.O.CON".
4.0 bedeutet für mich, genügend Freiheiten für dezentrale Organisation und dezentrales Lernen zu geben und gleichzeitig eine Plattform oder mehrere Plattformen, auf denen diese Leute gemeinsam lernen und gemeinsam serviciert werden.

Georg Alscher: Herr Friedl, ich danke Ihnen für dieses sehr informative Gespräch.

Georg Alscher

Blogartikel verfasst von

Georg Alscher

Geschäftsführer Vertec GmbH Österreich

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